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Event flyer, Bern Progr, 21.09.202., 19h30

Event: Freiheit & Digitalisierung (21. Sept., Bern)

Am Montag abend darf ich im Progr in Bern einige Themen meines Essays zum Thema Freiheit im digitalen Zeitalter aufgreifen und mit illustren Gästen darüber diskutieren. Ich habe sogar das Vergnügen, den Anlass mit einem Kurzreferat einzuleiten.

Wer kommt — und es würde mich natürlich sehr freuen, Dich/Euch/Sie dort zu sehen — kann mit Ausführungen zu diesen drei wichtigen Sätzen meines Fazits rechnen:

Freiheit im digitalen Zeitalter ist bedingt durch die Möglichkeit zur sowohl individuellen als auch kollektiven Selbstbestimmung. Dafür müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die in dieser Hinsicht auch echten Handlungsspielraum und Wahlfreiheit eröffnen. Ob diese vorhanden sind oder nicht hängt genauso, wenn nicht noch mehr, von der Gouvernanz wie von der Technologie ab, denn Organisationsstruktur, Entscheidungs- und Partizipationsprozesse sind mindestens ebenso wichtig wie technische Optionen und Implementierungen.

Diagnose: Ambivalenz. Freiheit im digitalen Zeitalter

“Freiheit” ist natürlich ein weiter Begriff. Deshalb lädt die Eventseite auch ein, einen eigenen Definitionsversuch zum Thema “Was ist Freiheit” zu verfassen.

Mein Beitrag stammt aus der Kurzbio des Buches, in welchem mein Essay erschienen war. (Er ist im Bild ersichtlich.)

Der Anlass wird von der Anny-Klawa-Morf-Stiftung gefördert und die Podiumsgäste sind die Nationalrätin Tamara Funiciello, die Politikwissenschafterin Cloé Jans, der Ständerat Hans Stöckli, sowie der Zürcher Gemeinderat Jean-Daniel Strub. Die Moderation übernimmt die Nationalrätin Min Li Marti.

Wer die Schweizer Politiklandschaft ein wenig kennt, sieht den Elefanten im Raum wahrscheinlich schnell: Von den sechs Personen, die auf der Bühne stehen werden, sind vier(!) Politikerinnen und Politiker der SP (Sozialdemokratische Partei).

Der letzte Satz des Eventbeschriebs lässt erahnen, warum das so ist:

Die neuen Technologien haben neue Möglichkeiten geschaffen. Wissen und Information sind breit zugänglich geworden. Aber auch Propaganda und Desinformation. Zudem haben sich für Staaten wie für private Firmen neue Möglichkeiten zur Überwachung ergeben.

Was bringt uns die schöne neue digitale Welt? Mehr Freiheit, mehr Wissen und mehr Entfaltungsmöglichkeiten? Oder mehr Überwachung, weniger Jobs und manipulierte Demokratien? Und hat die Sozialdemokratie das Thema Digitalisierung verschlafen?

Eventbeschrieb

Tatsächlich basiert die Diskussionsreihe auf dem Buch Freiheit, welches von Min Li Marti und Jean-Daniel Strub mit dem Wunsch editiert wurde, die Diskussion zum Thema Freiheit und Sozialdemokratie (neu) zu entfachen. Als es vor einem Jahr erschien, titelte denn auch die NZZ ihre Rezension darüber wie folgt: “Die SP gilt als Partei der Gleichheit, nicht der Freiheit. Das wollen zwei Zürcher Sozialdemokraten ändern.”

Für meinen eigenen Essasy wie auch für mein Referat morgen ändert all dies jedoch wenig. Zwar hatte ich bis jetzt bei meiner eigenen Arbeit noch kaum mit Parteipolitik zu tun, und auch persönlich gehöre ich keiner politischen Partei an. Ich bin aber meistens für mehr Dialog und Brücken zwischen verschiedenen Kreisen, und freue mich deshalb auf den Anlass und die Diskussion.

Eine Meinung zum Internet? Diskutiere mit am Swiss IGF 2020

Das Wichtigste zuerst: Am 28. September findet das Swiss Internet Governance Forum 2020 (kurz: Swiss IGF 2020) statt. Virtuell. Die Teilnahme steht allen offen, solange das Anmeldeformular bis am 22. September ausgefüllt wird.

Ursprünglich war das Swiss IGF 2020 für März 2020 geplant gewesen ¯\_(ツ)_/¯ Fantastischerweise konnte das ursprüngliche Programm in den grössten Teilen beibehalten werden, wenngleich die “Parallelsessionen” für die Online-Version mit Simultanübersetzung nun nicht mehr parallel laufen können.

Das Programm ist auf der Swiss IGF 2020 Seite zu finden.

Weitere Änderung zu vorherigen Swiss IGF sind vor allem logistischer Natur: Während in früheren Jahren die Anreise an den Durchführort erbracht werden muss, braucht es in diesem Jahr ein Gerät mit Internetanschluss. Und der Zmittag wird nun nicht offeriert.

Warum ich überhaupt darüber schreibe? Seit über einem Jahr engagiere ich mich freiwillig in der Kerngruppe des Swiss IGF, sozusagen das Organisationskommittee der Freiwilligen, die das Ganze gemeinsam auf die Beine stellen.

Als ich im Spätherbst 2018 zum ersten Mal persönlich Teil am Swiss IGF teilnahm, war ich von der Breite der Themen und teilnehmenden Stakeholder sofort begeistert. Da trafen sich Politikerinnen und Politiker, Bundesangestellte, Forschende, interessierte Leute aus der Zivilgesellschaft und aus der Privatwirtschaft, um zusammen über das Internet zu diskutieren. Die programmierten Themen reichten damals von Swiss-ID über Netzsperren bis hin zu Digital Health.

Diese Breite ist das erklärte Ziel des Swiss IGF (siehe: Über das Swiss IGF), und rege Debatten übrigens auch. Es sind zwar kurze Inputreferate vorgesehen, aber die Hauptzeit der Programmpunkte gehört dem Austausch.

Auch dieses Jahr wird das Swiss IGF spannend werden: Wir diskutieren über Bibliotheken, Digitale Kompetenzen in der Verwaltung, die Herausforderung Digitale Märkte und Internet-Plattformen uvm. Ich freue mich jetzt schon.

Swiss IGF 2020: Anmeldung bis am 22. September 2020.

Panel participation at the EASST/4S 2020 conference in virPrague (Aug 20)

Tomorrow (from where I am writing this) I will present some of my research at the joint conference of the European Association for the Study of Science and Technology and the Society for Social Studies of Science (4S). Originally planned in Prague from Aug 18-21, COVID-19 has made the conference move to virPrague, i.e. online. Unfortunately I had to miss out on the first day of the conference, but today I had the chance of attending a few presentations, all excellent by the way. I love to learn what others are working on and get new perspectives. Therefore, I am glad that I will again be able to be part of “my” conferences this autumn (also looking at you, AoIR2020). Despite the particular circumstances it is clear to me that virConference is always better than noConference.

More than anything else I owe my active participation at the EASST/4S 2020 conference to two fantastic scholarly colleagues. Elinor Carmi and Dan Kotilar masterfully responded to the conference theme “Locating and Timing Matters: Significance and Agency of STS in Emerging Worlds” by putting together a wonderful panel about “Contextualizing Algorithms in Time and Space” that I would want to attend even if I were not presenting. From the summary:

[W]hile the power of algorithms is unquestionably global, the exact temporal and spatial trajectories through which algorithms operate, and the specific socio-cultural contexts from which they arise, have been largely overlooked. This panel aims to address these gaps, and uncover the complex spatio-temporal contexts through which algorithms operate. We will ask: What is the role of locality, temporality, and culture in the creation and implementation of algorithms? How algorithms become localised to create ‘personalized’ experiences? What types of data are being used to contextualize people’s lives through platforms? and what gets filtered out in the process of datafication, and why?

Together with Taina Bucher (because, yes, I forgot to mention: the brilliant Taina Bucher is also part of our panel) we will talk about Facebook, Google, and a user-profiling company, about personalizing, profiling, and targeting, and about structures, timing, and practices. I am looking forward to it — if you intend to join, please say hi 🙂

Although half of the conference is already over, the program of the next two days is still extremely rich. Are you attending EASST4S and would like some pointers? Please let me recommend the following panels and presentations by my STS Lab/STS-CH colleagues from Switzerland and my ex-colleagues from S&TS Cornell (apologies in advance to anyone I may have overlooked):

Thursday morning starts with food: at 10am (all times are Prague local times, i.e. CEST) you could attend The Follies of Scaling-up Processed Foods in India or Logics of Food Consumption, Choice and Politics on Digital Media, then Commercial and Temporal Logics of Digital Food at 12pm. In the afternoon, perhaps peek in on Comm Scholars in STS – Making it work as an interdisciplinary scholar before attending Locating And Timing Matters Of Attention Through Wikipedia: Technical, Epistemological And Political Considerations. (Re:the latest session, you need to know that it will be held in a flipped format, so you need to engage with the presentations beforehands.) At 8pm, in case you are not attending our panel, there are still at least two more Swiss STS presentations on offer: Charting the Political Epistemologies of Epigenetics and DOHaD and Architectonic Studies of Radio Signals: Reorganizing Archives of Data/Natures In Their Own Terms.

Friday starts at 10am with: New Patient’s Definition Shaped by Preventive Properties of HIV Drugs. At noon, there is Articulating Politics with Design and Technology: Public Space, Computation and Commoning, and a little later Scaling a “global music platform”: secret gigs, live music and the platform metaphor. At the end of the last conference day, a last difficult choice: between Another Type of Precision Oncology? Knowledge Production within a Platform of Cancer Immunotherapy in Switzerland, Cures, Harms & Medical Authority: Animating Side-Effects As Modes Of Resistance In Hepatitis C-Treatments and Locating South Asia in Social Studies of Science and Technology. All interesting, all relevant, although not necessarily linked to my immediate research topic. But even if I had to choose which session to attend based on topic or research area, I would hardly manage to come up with a satisfying schedule: there are so many parallel sessions happening! Impossible to attend everything I am interested in — just like with in-person conferences.

However, unlike in-person conferences there will be recordings available, it seems… great news!

Freiheit im digitalen Zeitalter

Copyright: hier+jetzt Verlag. Der folgende Essay entstand Anfang 2019 aufgrund einer Einladung, für ein Buch über Freiheit ein Kapitel zum Thema “Freiheit und Digitalisierung” beizusteuern (->pdf-Version). Die Wiedergabe des Texts hier erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Exakte Referenz: Jobin, A. 2019. “Diagnose: Ambivalenz. Freiheit Im Digitalen Zeitalter.” Pp. 109–119 in Freiheit, herausgegeben von M. L. Marti und J.-D. Strub. Baden: hier + jetzt.

Diagnose: Ambivalenz. Freiheit im digitalen Zeitalter

Im Frühjahr 1999 strahlte die BBC ein Interview mit David Bowie aus, in dem sich der Sänger unter anderem zum Thema Internet äusserte: «I don’t think we’ve even seen the top of the ice berg, I think the potential what the internet is going to do to society, both good and bad, is unimaginable. I think we’re actually on the cusp of something exhilarating and terrifying.»1 Bowie hat mit diesen Worten unwissentlich eine zwanzig Jahre später stattfindende Debatte vorweggenommen und beantwortet.

Still photo of David Bowie speaking to Jeremy Paxman on BBC Newsnight (1999)

Gut oder schlecht? Frei oder unfrei?

Tatsächlich finden auch heute noch viele Diskussionen zum Thema in binären Denkmustern statt: Sind neue Technologien gut oder schlecht? Bringt die Digitalisierung mehr Freiheiten oder schränkt sie uns ein? Eine Auslegeordnung fördert jeweils zahlreiche Beispiele für beide Seiten zutage. Einerseits können wir auf abrufbereite, noch nie dagewesene Mengen von Informationen zugreifen. Andererseits wissen wir immer weniger auswendig und überschätzen zudem unser Wissen. Einerseits sind viele Arbeitende vor allem des tertiären Sektors mobiler und flexibler. Andererseits verwischt sich die Grenze zwischen Arbeit und Beruf immer mehr, was zusätzlichen Druck schaffen kann. Das Beispiel-Pingpong könnte so unendlich lange fortgesetzt werden. Wirklich produktiv erscheint mir dies allerdings nicht. Viel spannender und wichtiger, als einer Antwort in schwarz oder weiss nachzugehen, sind die Fragen, unter welchen Umständen die Digitalisierung Freiheit fördert, und von welcher Art Freiheit die Rede ist. Denn – wie das BBC-Publikum schon vor zwei Jahrzehnten erfahren konnte – Internet bringt Gutes und Schlechtes, Erfreuliches und Erschreckendes.

Der Journalist schien damals mit Bowies Aussage überfordert. Es sei doch nur ein Instrument, «it’s just a tool though», entgegnete er. Eine Auffassung, die ich selbst auch schon oft gehört habe, am prominentesten in Form der Messeranalogie an hippen Technologiekonferenzen: Ein Messer sei neutral, es komme bloss darauf an, ob es als Küchenutensil oder als Mordwaffe benutzt werde. Was einleuchtend klingen mag, ist leider ein wenig simpel. Um es mit den Worten des Technikhistorikers Melvin Kranzberg auszudrücken: «Technologie ist nicht gut oder schlecht und erst recht nicht neutral.»2 Eine Gesellschaft, in der es Messer gibt, ist eine andere, als eine, in der es keine gibt. Dasselbe gilt auch für das Internet und digitale Dienste im Allgemeinen.3 Umso mehr, als es sich dabei nicht nur um ein technisches Hilfsmittel handelt, sondern die Digitalisierung auch den ganzen Bereich der Verfügbarkeit von und des Umgangs mit Informationen beziehungsweise Daten einschliesst. Doch dazu später.

Natürlich wirken sich das Internet und, allgemeiner, die Digitalisierung nicht überall gleich aus. In der Arbeitswelt ist zum Beispiel die Thematik der Automatisierung aktuell, verbunden mit Schätzungen, wie viele Jobs und Arbeitsstellen dadurch verschwinden würden. Wie viele davon jedoch realistische Prognosen und nicht bloss Effizienzwünsche beispielsweise von Beratungsfirmen sind, ist nicht immer einfach abzuschätzen. Grundsätzlich muss zwischen Hype und faktenbasierten Einschätzungen unterschieden werden. Die Frage, welche Stellen betroffen sein würden, ist dabei mindestens genauso wichtig wie die Frage nach ihrer Zahl. Denn es gilt nicht zu vergessen, dass sogar dort, wo künstliche Intelligenz draufsteht, oft billige, aber äusserst menschliche «Klickarbeit» drin ist.4

Es kommt erschwerend hinzu, dass bei solchen Schätzungen die Skala auf Dimensionen über Landesgrenzen hinweg erweitert werden muss. Von der Hardware-Produktion über die Software-Entwicklung bis hin zum Customer Support kann heute vieles relativ einfach in Länder mit besseren, sprich: kostengünstigeren, Konditionen ausgelagert werden – was natürlich nicht nur mit der Digitalisierung, sondern auch mit der Globalisierung und dem Kapitalismus zusammenhängt. In ihrem grandiosen Essay über Supply Chain Management geht Miriam Posner der digitalisierten Produktionskette nach. Durch gängige Programme lassen sich Beziehungen und Abhängigkeiten bis zur Unkenntlichkeit verschachteln und auf Effizienz trimmen, ohne dass sich dabei noch jemand für das Wohlergehen der Arbeitenden am Produktionsort verantwortlich fühlt. Posner stellt nun eine dieser unsichtbar gewordenen Verbindungen wieder her, nämlich jene zwischen der Planungsfreiheit des Produktionsmanagements und dem Druck auf Tausende von Kilometern entfernte Arbeitskräfte.5

Grosse Auswirkungen hat die Digitalisierung eindeutig auch auf unsere Kommunikation in allen Bereichen.6 Internet, E-Mail, Social Media und Multimedia-Nachrichtendienste werden von grossen Teilen der Bevölkerung regelmässig genutzt. Ort, Zeit und Umgebung des Informationskonsums sind, da häufig online und mobil, vollkommen anders als noch vor zwanzig oder sogar zehn Jahren. Die Produktion von Information hat sich ebenfalls grundlegend verändert und verwischt sich sogar teilweise mit dem Konsum. Schon Bowie wies im BBC-Interview auf diese Tendenz hin: Er spreche über den Kontext und den Zustand von Inhalten, der sich von allem, was aktuell vorstellbar sei, unterscheiden werde.7 Schon vor dem Web eröffneten sich mit BBS und IRC neue Möglichkeiten, sich über geografische Grenzen hinweg in Echtzeit mit Gleichgesinnten auszutauschen. Das World Wide Web und grafische Webbrowser haben Internet dann einer noch grösseren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Während einiger Zeit waren Foren und Blogs das Aushängeschild des «Mitmachwebs», bevor diese von sozialen Netzwerken und Nachrichtenapps abgelöst wurden.

Die Versuchung, dem Rückblick auf das Web der letzten zwanzig Jahre ein binäres Schema aufzudrücken, lauert allenthalben: Zu Beginn sei das Web «frei» gewesen, heute jedoch werde es von Grosskonzernen dominiert. Die Feststellung stimmt zwar – andererseits haben viele dieser Firmen damit begonnen, Produkte, Dienstleistungen und Webseiten anzubieten, die es vielen Menschen überhaupt ermöglichen, die Vorteile des Internets zu nutzen. Das widerspiegelt sich denn auch in meiner persönlich «Digitalisierungsbiografie»: Ich kaufte mir zwar als Jugendliche schon eine gebrauchte Atarimaschine zum Gamen und nutzte das Web zu AltaVista- und Geocities-Zeiten – einen eigenen Web- oder E-Mail-Server hatte ich aber nie. Trotzdem, oder gerade dadurch, eröffnete mir die Digitalisierung neue Möglichkeiten. In der Tat könnte das Fazit also, wie bei einem Negativbild, durch einen anderen Blickwinkel betrachtet genau gegenteilig lauten: Während das Internet früher hauptsächlich von Nerds und Universitätsangehörigen genutzt werden konnte, steht es heute glücklicherweise breiten Bevölkerungsschichten in handlicher Form in der Hosen- oder Handtasche zur Verfügung. Schwarz oder weiss? Gut oder schlecht? Weder noch. Und sowohl als auch.

Inhalte und Infrastruktur

Aber zurück zur Kommunikation im digitalen Zeitalter. Es ist inzwischen unbestritten, dass sich Bestand, Fluss und Austausch von Informationen massgeblich gewandelt haben. Egal ob Handel, Journalismus, Bildung, Politik, Medizin, Industrie, Tourismus (die Liste könnte nun endlos weitergeführt werden): Die Kommunikation hat sich grundsätzlich geändert, und ohne Kausalitäten zu benennen, spielt die Digitalisierung hierbei eine wichtige Rolle. Dies vor allem mit Blick auf zwei Dimensionen, nämlich die Digitalisierung von Informationen und die digitale Infrastruktur. Für ein besseres Verständnis hilft es manchmal, diese analytisch getrennt zu betrachten, obwohl beide eng miteinander verwoben, ja, oft sogar untrennbar ein und dasselbe sind.

Es gibt wohl kein anschaulicheres Beispiel für die Digitalisierung von Informationen als die Entwicklung eines Nachschlagewerks. Die englischsprachige «Encyclopaedia Britannica» wurde zum ersten Mal im Jahr 1768 gedruckt und verkaufte sich 1990, zur Spitzenzeit, über 100 000 Mal in ihrer mehrbändigen Ausgabe. Schon kurz darauf jedoch brachen die Verkaufszahlen auf einen Bruchteil ein und der Herausgeber konzentrierte sich vermehrt auf den Vertrieb via CD-ROM.8 Es war aber nicht nur die digitale Form von Inhalten, die den Verlag dazu bewegte, sich von der Buchform loszusagen. Als er 2012 die Einstellung der gedruckten Auflage der «Britannica» verkündete, nannte er als Grund insbesondere die Konkurrenz durch Wikipedia.

Wikipedia ist ihrerseits ein Paradebeispiel für Massenzusammenarbeit über Raum und Zeit hinweg, die überhaupt erst durch die digitale Infrastruktur ermöglicht wird. Im Prinzip können alle mit Internetzugang, ohne sich anmelden oder identifizieren zu müssen, Informationen, Kommentare oder Korrekturen am Onlinenachschlagewerk anbringen. Miteinander wird frei zugängliches Wissen geschaffen. Diese theoretisch uneingeschränkte Möglichkeit der Mitwirkung stellt die Essenz einer der Freiheiten dar, die uns die Digitalisierung versprochen hat: unser ganzes Leben vermehrt und einfacher gemeinsam und gemeinschaftlich zu gestalten. Dass Wikipedia diesem Ideal trotz merklicher Mängel in der Praxis näherkommt als Internetkonzerne, liegt übrigens nicht nur am Mitmachmodus beim Erstellen von Artikeln, sondern auch an der Organisationsstruktur und Lizenzierung.

Digitale Tools und Netzwerke vereinfachen die Kommunikation und Organisation in zahlreichen Aspekten und auf vielen Ebenen nicht unwesentlich durch ihre Verfügbarkeit. Diese umfasst selbstverständlich die Hardware und die technischen Mittel, die der digitalisierten Welt zugrunde liegen: Kabel, Router, Server und so weiter. Wie bei anderen Kommunikationskanälen braucht es eine bestehende materielle Infrastruktur, damit sie überhaupt genutzt werden können. Aber was ich weiter vorne «digitale Infrastruktur» genannt habe, meint weit mehr, denn es schliesst auch Protokolle und Softwareanwendungen mit ein. Ein illustratives Beispiel hierfür sind Onlinenetzwerke und Nachrichtenapps, kurz: Social Media. Ihr Nutzen liegt nicht nur in den technischen Funktionen, die sie mir als individuelle Person anbieten, sondern auch im Netzwerk der Personen, mit denen ich dank der jeweiligen Programme kommunizieren könnte. Der Konjunktiv ist bewusst gewählt: WhatsApp, Instagram, Facebook & Co. dienen mir nicht nur in jenem Moment, in dem ich tatsächlich damit kommuniziere, sondern auch mit dem Hintergrundwissen, dass sie mir als Kommunikationskanäle jederzeit nutzungsbereit zur Verfügung stehen.

Dieser Punkt ist nicht trivial, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Wahlfreiheit. Wer eine Zeit lang ein bestimmtes Onlinenetzwerk oder eine Nachrichtenapp nutzt, stellt Verbindungen her und nimmt in Netzwerken teil. Ob zu neuen Kontakten oder alten Bekannten ist hier irrelevant. Dabei können sich private und professionelle Beziehungen überlappen. Wiederholt haben Studien belegt, dass der erweiterte Bekanntenkreis oft Türen zu neuen Möglichkeiten eröffnet, sowohl persönlich wie auch beruflich. Social Media vereinfacht den Austausch von Informationen und den Unterhalt eigener Netzwerke. Natürlich kann nun im Einzelfall entschieden werden, solche Dienste nicht mehr zu verwenden. Damit entscheidet man sich aber gegen mehr als nur die Nutzung. Jemand verzichtet so auf die Verfügbarkeit eines Kommunikationskanals, auf den Anschluss an sein soziales Netzwerk. Anders formuliert: Man verliert nicht nur den Zugriff auf Inhalte, sondern auch auf die Infrastruktur, die solche Inhalte überhaupt ermöglicht und zirkulieren lässt.

Auch in anderen Bereichen kann die Perspektive der Infrastruktur hilfreich sein, um sich die Funktion digitaler Dienste zu vergegenwärtigen. Informationsbeschaffung ist ein weiteres prominentes Beispiel. Wie neunzig Prozent der Menschen in Westeuropa benutze ich Google. Ich nutze die Suchmaschine, um Artikel zu aktuellen Themen zu finden. Aber nicht nur. Informationen zum Ausfüllen der Steuererklärung, Name und Coverbild von David Bowies erstem Album, die Telefonnummer meines Lieblingsrestaurants, wann Kranzberg seine Thesen zur Technologie veröffentlicht hat, wie Rhythmus korrekt geschrieben wird und warum dasselbe Wort auf Französisch nur ein «h» hat – Google weiss, wo die Antwort zu finden ist. Welche Funktion erfüllt die Suchmaschine dabei? Jene, die zu Zeiten der Informationsknappheit vor allem öffentliche Institutionen innehatten. In der Tat: Einen Grossteil der gesuchten Informationen könnte ich auch in gedruckter Form irgendwo finden, wenn nicht bei mir zu Hause, dann in irgendeiner Bibliothek. Gewiss: Die Analogie Google/Bibliothek ist schon häufig durchdiskutiert und zerpflückt worden. Sie verdeutlicht jedoch anschaulich wie sonst nichts, dass die Suchmaschine durch die Funktion, die sie in unserer Gesellschaft innehat, Teil unserer informationellen Infrastruktur geworden ist. Wie eine Bibliothek steht sie der Öffentlichkeit als Informationsbeschafferin zur Verfügung und muss mit den Herausforderungen der Verfügbarkeit, Kategorisierung und Präsentation von Information umgehen.9

Die Ähnlichkeiten zwischen Bibliotheken und Google enden aber schon bald. Der wichtigste Unterschied findet sich, wie soeben aufgezeigt, nicht im Nutzen für die Bevölkerung, sondern im Geschäftsmodell: finanziert durch Werbeeinnahmen hat Google mehr mit Massenmedien gemeinsam als mit Bibliotheken.10 Auch hier spielt der Infrastrukturaspekt mit hinein, selbst wenn er in Wirklichkeit mit jenem der Informationen eng verknüpft ist. Die Digitalisierung verwischt die Grenzen zwischen Medium und Inhalt immer mehr.

Darüber nachzudenken, was Google alles über unser Leben wissen kann, ist für viele ernüchternd, obschon die meisten dabei nur an die Inhalte denken, also an die Begriffe, die sie in das Suchfeld eingeben. Die digitale Infrastruktur ermöglicht jedoch Datenaustausch und -verwertung, die weit über übliche menschliche Denkmuster hinausgehen. Neben den bewusst kommunizierten Daten existieren nämlich auch Metadaten unserer Nutzung (Gerät, Betriebssystem, Sprachversion usw.), Verhaltensdaten (wie schnell tippe ich, wie benutze ich die Maus oder den Touchscreen, worauf klicke ich, wie lange verweile ich auf der Webseite oder in der App usw.), Trackingdaten (Verhaltensdaten aus der Vergangenheit und/oder von anderen Diensten), Drittdaten (mich betreffende Informationen aus dritter Hand, z. B. meine Wohnadresse im digitalen Adressbuch von Bekannten oder von Firmen zugekaufte Datensätze) und Analysedaten. Letztere werden abgeleitet: entweder aus den vorherigen Kategorien, einem Quervergleich mit den Daten von anderen oder beidem. Das Gesamtbild dieser Daten ergibt ein digitales Doppelgängerprofil, das nicht einmal korrekt sein muss, um trotzdem mehr über mich auszusagen, als die Informationen, die ich wissentlich preisgebe.

Selbstbestimmte Resignation

Zwar sah David Bowie vor zwanzig Jahren korrekt voraus, dass wir unsere Vorstellungen davon, was ein Medium ist, werden überdenken müssen, und dass das Zusammenspiel zwischen Angebot und Nutzung dabei eine wichtige Rolle spielen würde. Aber im Gegensatz zu Bowies Vorstellungen ist dieses Zusammenspiel nicht nur harmonisch. So prägnant er die Zukunft einer Gesellschaft, in der es das Internet gibt, beschrieben hat, in diesem Detail täuschte er sich, als er prophezeite: «The interplay between user and provider will be so in simpatico, it’s going to crush our idea of what mediums are all about.»11 Hinter oberflächlicher Harmonie verbirgt sich ein steiles Machtgefälle zwischen Nutzenden und Anbietenden, das vielfach in Widerspruch steht zu den Freiheits- und Gleichheitsverheissungen, mit denen Internet und Digitalisierung auch immer wieder angetreten sind.

Denn wer Internetdienste nutzt, muss sich grundsätzlich gefallen lassen, dass dabei gleichzeitig von privaten Firmen Daten gesammelt, gespeichert und eventuell weitergereicht oder -verkauft werden. Ebenfalls müssen wir damit rechnen, dass uns Onlineinhalte, deren Format, Darstellung und Auswahl aufgrund Optimierung, raffinierter Profilierung und/oder Personalisierung so vermittelt werden, wie unsere Handlungen potenziell am meisten Umsatz, Gewinn oder Shareholder Value bringen werden.12 Eine plumpe Rechtfertigung bemüht die Transaktionslogik. Bezahle man nicht für etwas, sei man nicht die Kundschaft, sondern das Produkt, besagt ein populärer Spruch. Implizit schwingt da auch Kritik an der Gratiskultur mit. Aber diese Erklärung greift zu kurz, denn auch die Daten von zahlender Kundschaft werden durch digitale Dienste vermessen und verwertet.13

Wer nun zum Ausdruck bringt, mit solcher Datensammlung und -verwertung nicht einverstanden zu sein, hört oft die Entgegnung, dass einen ja niemand zwinge, den einen oder anderen Internetdienst – ja, sogar das Internet selbst – zu nutzen. Unter den gegebenen Umständen stellt eine solche Alles-oder-nichts-Entscheidung jedoch keine realistische Wahl dar. Zum einen ähnelt Nichtnutzung eines Onlinediensts weniger einem Boykott als einer Abschottung. Dies liegt vor allem am sogenannten Netzwerkeffekt: man verzichtet nicht nur auf den Dienst selbst, sondern klinkt sich auch aus einem bestehenden Netzwerk aus.

Natürlich kann ich mich entscheiden, zum Beispiel anstelle von Facebooks WhatsApp die aus privatsphärebewusstem Aktivismus entstandene Signal App auf mein Mobiltelefon zu laden. Beide Nachrichtendienste stimmen bezüglich Funktionen und Möglichkeiten ungefähr überein. Wenn aber Signal in meinem Freundeskreis nicht verbreitet ist und weiterhin alle via WhatsApp kommunizieren, bringt mir eine andere App nicht viel. Tatsächlich hängt der Nutzen eines Diensts hier von der Präsenz anderer Menschen ab, die ihn verwenden.

Zudem sind echte Alternativen gerade bei Grossanbietern meistens gar nicht vorhanden und es mangelt daher an Wahlfreiheit. Beispielsweise sind sogar kleinere Suchmaschinen oft von den beiden grossen abhängig.14 Google verteidigte seine Quasimonopolstellung früher mit der Bemerkung, die Konkurrenz sei ja nur einen Klick entfernt. Es ist jedoch unvorstellbar, von Grund auf eine Websuchmaschine zu realisieren, die in ihrer Treffsicherheit, Themenbreite und Schnelligkeit mit Google Search mithalten kann. Die Datenmenge, über welche die Firma überdies dank ihrer anderen Dienste wie Gmail, Drive, YouTube, Maps, Android und Chrome verfügt sowie die zur Verarbeitung benötigte Rechenleistung von Millionen von Servern können von keinem Start-up gestemmt werden.

Auch der bereits erwähnte Infrastrukturaspekt spielt eine Rolle. Obschon ich individuell vielleicht die direkte Nutzung von Amazon vermeiden kann, indem ich dort nichts bestelle oder verkaufe, wird es weitaus schwieriger, den profitabelsten Geschäftssektor der Firma zu umgehen: Amazon Web Services (AWS), das Cloud-Angebot der Firma, wird von unzähligen Webseiten und Apps beansprucht, sodass ein konsequenter Amazon-Boykott die Hälfte des Mainstreamwebs miteinschliessen würde. Die Journalistin Kashmir Hill hat in einem Selbstversuch ihren Alltag ohne die grossen Internetkonzerne bewältigen wollen, musste aber angesichts solcher Business-to-Business-Anwendungen aufgeben, insbesondere da letztere selten als solche erkennbar sind. Denn wie sollten mit Microsoft betriebene Billettautomaten oder Kaffeemaschinen als solche wahrgenommen und vermieden werden können?15 Digitale Dienste sind nicht einfach ein virtueller Zusatz, sondern sie sind eng mit unserem Alltag verwoben und nicht mehr wegzudenken.

Was auf den ersten Blick wie eine einfache Konsumentscheidung aussieht, ist deshalb bei genauem Hinsehen komplexer. Einzelne Nutzende haben keine wirkliche Wahlfreiheit, wenn digitale Dienste zur Informationsinfrastruktur gehören, Alternativen fehlen und Marktmacht durch Netzwerkeffekte verstärkt wird.
Entsprechend darf blosse Nutzung auch nicht als Ausdruck von Zufriedenheit interpretiert werden. Manchmal wird nämlich behauptet, die Leute seien offensichtlich glücklich mit der derzeitigen Handhabung der Daten, da sie ja die Dienste nutzen und die entsprechenden Geschäftsbedingungen annehmen. Es handelt sich hier aber einfach um das Umkehrargument von «nicht zufrieden, nicht nutzen», das ebenso ungültig ist. Warum? Die Situation lässt sich in zwei Worten ausdrücken: digitale Resignation.16 Die meisten Menschen sind nicht etwa einverstanden mit den Geschäftsbedingungen, sondern sie haben die Hoffnung aufgegeben, bezüglich Datenerhebung und -verarbeitung durch Firmen überhaupt noch irgendwelche Handlungsmöglichkeiten zu haben. Denn angenommen, ich möchte online nicht verfolgt, profiliert und angepeilt werden: Was nützen mir zwei dutzend Sichtbarkeitsoptionen – vor anderen Menschen, nicht firmeneigenen Maschinen, wohlverstanden – und fünfzigseitige Erklärungen von einem digitalen Dienst, der trotzdem meine Daten im Überwachungskapitalismus17 zirkuliert?

Möglichkeiten eröffnen

Freiheit im digitalen Zeitalter ist bedingt durch die Möglichkeit zur sowohl individuellen als auch kollektiven Selbstbestimmung. Dafür müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die in dieser Hinsicht auch echten Handlungsspielraum und Wahlfreiheit eröffnen. Ob diese vorhanden sind oder nicht hängt genauso, wenn nicht noch mehr, von der Gouvernanz wie von der Technologie ab, denn Organisationsstruktur, Entscheidungs- und Partizipationsprozesse sind mindestens ebenso wichtig wie technische Optionen und Implementierungen. Zusammen sind die beiden Dimensionen ein Lackmustest dafür, wie viel und welche Art von Freiheit die Digitalisierung tatsächlich mit sich bringt. Relevante Fragen lauten in etwa: Wie transparent ist eine Organisation, welches Mitspracherecht räumt sie sowohl ihren Nutzenden als auch anderweitig Betroffenen ein und in welcher Form kann dieses ausgeübt werden? Wie zugänglich sind die benutzten Technologien einschliesslich Daten, wer hat Zugriff darauf, zu welchem Zweck, und wie ist deren Weiterverwendung rechtlich geregelt?

Es leuchtet sofort ein, dass es nicht eine einzige Idealantwort geben kann, sondern dass wir in verschiedenen Bereichen andere Prioritäten setzen möchten. Beispielsweise ist eine Enzyklopädie nicht dasselbe wie die medizinische Datenbank eines Spitals, Datenauswertung durch die öffentliche Forschung nicht dasselbe wie Analyse zu Werbezwecken und so weiter. Unsere Gesellschaft beschäftigt sich nicht erst seit der Digitalisierung mit diesen Unterschieden. Doch täten wir angesichts der strukturellen und kulturellen Veränderungen gut daran, uns erneut damit auseinandersetzen, wie wir Menschen echten Handlungsspielraum garantieren können, der auch demokratisches Mitspracherecht einschliesst.18 Dieser Entfaltungsspielraum muss deshalb jenseits von binären Pseudooptionen geschaffen werden.

David Bowie drückte dies vor zwanzig Jahren am Beispiel der Kunst Duchamps so aus: «The idea that the piece of work is not finished until the audience come to it and add their own interpretation and what the piece of art is about is the grey space in the middle, That grey space in the middle is what the 21st century is going to be about.»19

David Bowie makes some accurate predictions about the potential of the Internet (video starts at 10:40).

Fussnoten/Referenzen


1
BBC Newsnight 1999: David Bowie speaks to Jeremy Paxman on BBC Newsnight. Retrieved from https://www.youtube.com/watch?v=FiK7s_0tGsg (8.5.2019). 10:44 ff.: «Wir kennen noch nicht einmal die Spitze des Eisbergs. Ich denke, das Einflusspotenzial des Internets ist unvorstellbar, sowohl im Positiven wie im Negativen, und wir stehen an der Schwelle zu etwas, das sowohl erfreulich als auch erschreckend ist.» [Übersetzung der Autorin]


2
Kranzberg, Melvin: Technology and History: Kranzberg’s Laws, in: Technology and Culture 27 (3), 1986. S. 545. [Übersetzung der Autorin]


3
McMillan Cottom, Tressie: Why Is Digital Sociology? Retrieved from: https://tressiemc.com/uncategorized/why-is-digital-sociology (8.5.2019).


4
Vgl. Casilli, Antonio A.: En attendant les robots. Paris 2019; Gray, Mary; Suri, Siddhart: Ghost work. Boston 2019.


5
Vgl. Posner, Miriam: The Software That Shapes Workers’ Lives. Retrieved from https://www.newyorker.com/science/elements/the-software-that-shapes-workers-lives (8.5.2019).


6
Vgl. Tufekci, Zeynep: Twitter and Tear Gas: The Power and Fragility of Networked Protest. New Haven 2017.


7
«I’m talking about the actual context and the state of content is going to be so different to anything we can really envisage at the moment.»


8
Auchter, Dorothy: The evolution of the Encyclopaedia Britannica: from the Macropaedia to Britannica Online, in: Reference Services Review 27 (3), 1999. S. 297.


9
Vgl. Noble, Safiya Umoja: Algorithms of Oppression: How Search Engines Reinforce Racism. New York 2018.


10
Vgl. Lee, Micky: Google ads and the blindspot debate, in: Media, Culture & Society 33 (3), 2011. S. 433–447; Van Couvering, Elizabeth: New media? The political economy of Internet search engines, Annual Conference of the International Association of Media & Communications Researchers. Porto Alegre, Brazil, 25–30.7.2004. Retrieved from http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.129.1900&rep=rep1&type=pdf (8.5.2019).


11
«Das Zusammenspiel zwischen Nutzenden und Anbietenden wird so harmonisch sein, dass es unsere Vorstellung davon, was Medien überhaupt sind, auf den Kopf stellen wird.» [Übersetzung der Autorin]


12
Vgl. Pasquale, Frank: The black box society: the secret algorithms that control money and information. Cambridge 2015.


13
Jobin, Anna; Bilat, Loïse: Les services numériques grand public et leurs utilisateurs : trois approches sociotechniques contemporaines, in: A contrario 22. 2016. S. 107 f.


14
Vgl. Mager, Astrid: Is small really beautiful? Big search and its alternatives, in: Rasch, Miriam; König, René (Hg.): Society of the Query Reader: Reflections on Web Search. Amsterdam 2014. S. 59–72.


15
Vgl. Hill, Kashmir: Life Without the Tech Giants. Retrieved 13.4.2019, from https://gizmodo.com/life-without-the-tech-giants-1830258056 (8.5.2019).


16
Vgl. Draper, Nora A.; Turow, Joseph: The corporate cultivation of digital resignation, in: New Media & Society, online before print: https://doi.org/10.1177/1461444819833331 (8.5.2019).


17
Vgl. Zuboff, Shoshana: Big other: surveillance capitalism and the prospects of an information civilization, in: Journal of Information Technology 30 (1). 2015. S. 75–89.


18
Vgl. Stalder, Felix: Kultur der Digitalität. Berlin 2016.


19
«Die Vorstellung, dass ein Werk nicht beendet ist, bis das Publikum dazukommt und seine eigene Interpretation hinzufügt […], und dass ein Kunstwerk vom grauen Zwischenraum handelt. Um diesen grauen Zwischenraum wird es im 21. Jahrhundert gehen.» [Übersetzung der Autorin]

© hier+jetzt Verlag / mit freundlicher Genehmigung

Anna in action 2019: vom Swiss Economic Forum zur Business Innovation Week

Nachderm ich im Herbst 2018 aus den Vereinigten Staaten zurück in die Schweiz gezogen bin, dachte ich, ich würde mich nun wieder langsam an mein neues altes Zuhause gewöhnen und alles ein bisschen ruhiger angehen. So im Sinne von Work-Life-Balance und so. Wenn ich nun aber auf dieses Jahr zurückschaue merke ich, dass viel mehr los war als ich eigentlich vorhatte — und dass mir dabei pudelwohl war. “Ruhig angehen” scheint nicht unbedingt mein Ding zu sein…

Zusätzlich zu meiner Forschung und anderen arbeitsrelevanten Verpflichtungen habe ich nämlich begonnen, mich aktiver (und auch ohne direktes Forschungsimperatif) für Schweizer Wirschafts- und Innovationinitiativen zu interessieren. Denn homogene Umfelder sind selten förderlich, und Brücken bauen ist enorm wichtig. Daher nun diese persönliche, in einem Bereich fokussierte Zusammenfassung von 2019:

Swiss Economic Forum & Swiss Innovation Forum

Dank persönlicher Empfehlungen (merci!) und meiner Affinität für die sozialen Aspekte algorithmischer Systeme hatte ich die Gelegenheit, an beiden Foren in privilegierter Rolle teilzunehmen. Da es sich beide Male um sogenannte “closed door” Events handelte kann ich hier leider nicht viel mehr mitteilen.

Aber einen öffentlichen Tweet einbinden darf ich schon, oder? 😉

Sowohl inhaltlich wie auch hinsichtlich der Teilnehmenden waren dies zwei überaus spannende Anlässe.

Shift 2019

Foto: Louis Rafael Rosenthal

An der Shift dreht sich alles um digital Ethik im Privatsektor. 2019 war die erste Ausgabe dieser Konferenz (und die Daten für 2020 stehen bereits fest). Auch wenn ich im Februar nicht in Topform war konnte ich persönlich doch viel von dieser einzigartigen Konferenz im deutschsprachigen Raum mitnehmen

Online Marketing Konferenz

An der Online Marketing Konferenz durfte ich über Datenethik sprechen und darüber, welche Ansätze heute wirklich innovativ wären… A propos Datenethik: welche Metapher ist wohl im obigen Bild illustriert? (Und a propos Metaphern: Mein Beitrag war stark inspiriert von der tollen Analyse von Metaphern der beiden sozialwissenschaftlichen Internetresearcher Luke Stark und Anna Lauren Hoffmann, deren wissenschaftliche Publikation hier und ein vielleicht etwas zugänglicherer Artikel hier gelesen werden können.)

Connecta

Auch an der Connecta liess man mich über Datenethik und Innovation sprechen. Was mich besonders freute: mein Vortrag fand im Claude-Nicollier-Raum statt.

Auf dem Foto sieht man Claude Nicollier leider nicht, da er zwar auch auf der Mauer aber weiter rechts von mir abgebildet ist.

Business Innovation Week

An der Business Innovation Week sass ich zusammen mit zwei Grünliberalen und einem Microsoftangestellten in einem Panel mit einem eher merk-würdigen Namen und brachte alle drei zum Lachen.

Photo: Andreas Kriesi (via FB)

Was ich sagte, und warum ich meine Hand ausstreckte, weiss ich nicht mehr. Aber ich erinnere mich, dass vor dem Panel Andy Fitze einen tollen Vortrag über die Komplementarität von AI und Menschen hielt. (Andy, das Bild der “smartest” Kreuzung als Steigerung einer “smarten” Kreuzung hab ich immer noch im Kopf!)

Mal schauen, was 2020 in diesem Bereich so bringen wird… Bring it on!

Digitalkompetenzen im Kontext (uvm)

Am 8. Mai 2019 durfte ich auf Einladung der EMEK/COFEM (der eidgenössischen Medienkommission, resp. der commission fédérale des médias) zusammen mit Friederike Tilemann den ersten Drittel eines überaus spannenden Nachmittagsprogramms zum Thema “Streamingdienste und Plattformen: Herausforderungen für Medien & Öffentlichkeit” bestreiten. Wir thematisierten Medien- und Digitalkompetenzen, danach sprachen Judith Möller und Sébastien Noir über die Relevanz von Algorithmen, und zuletzt widmeten sich Natascha Just und Wolfgang Schulz dem Thema Gouvernanz. Der Anlass war öffentlich und gut besucht. Im Folgenden nun ein subjektiver Allerkürzestbericht meinerseits, einschliesslich einer — wie ich doch hoffe — lesefreundlichen Version meiner Eingangspräsentation. Denn, wie heisst es so schön: sharing is caring.

Nach den Grussworten des EMEK/COFEM-Präsidenten Otfried Jarren stellte Manuel Puppis den derzeitigen Stand des Arbeitspapiers der Kommission vor. Die Erkenntnisse des Tages sollen in die bevorstehende neue Version des Dokuments einfliessen. Dies habe, zusammen mit dem Wille zur Förderung des öffentlichen Dialogs, den heutigen Anlass motiviert. Danach teilte Friederike Tilemann ihr Expertenwissen über Medienkompetenzen: gerade Heranwachsende brauchen sowohl Kompetenzen als auch Schutz, um gewinnbringend mit Medien umgehen zu können. Und erstere beinhalten nicht nur Nutzung, sondern auch Wissen, Kritikvermögen, reflektiertes Handeln und Gestaltungsfähigkeit.

Dadurch wurde mir natürlich ganz komfortabel ein Ball zugespielt, den ich nun ins Feld der Digitalisierung bringen konnte. Denn das meiste, was bisher zu Medienkompetenzen gesagt worden ist, bleibt wichtig und relevant. [Das ist übrigens auch aus Genners “Kompetenzen und Grundwerte im digitalen Zeitalter” ersichtlich.] Ich biete keinen Widerspruch sondern Ergänzung an.

Meine Präsentation ging ebenfalls auf die Frage ein, wie mit digitalen Medien umgegangen werden kann, aber aus einer etwas andern Perspektive. Mein Hintergrund ist einerseits in Soziologie, Volkswirtschaft und Wirtschaftsinformatik, andererseits bringe ich durch meine Vergangenheit als selbständige Social Media Beraterin auch praktische Erfahrungen mit. Untenstehend nun meine Folien — die ich, um der Mehrsprachigkeit der Schweiz an diesem gesamtschweizerischen Anlass wenigstens halbwegs gerecht zu werden, auf französisch verfasst hatte — sowie ein ungefähres Transkript meiner 10minütigen Präsentation, angereichert mit Klammerbemerkungen und ein paar Links. Continue reading

SGS-SSS: Call for papers // Appel à contributions

Tl;dr (in English): Together with a brilliant colleague of mine I organize a panel at the Congress of the Swiss Sociological Association (held in Zurich, June 21-23) about the political dimensions of digital platforms. Please consider contributing in English, German or French by February 20, 2017.

Cf. plus bas pour la version française.

Alle zwei Jahre findet der Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie statt, das nächste Mal am 21.-23. Juni in Zürich. Zusammen mit Loïse Bilat organisiere ich dort einen akademischen Workshop zum Thema der Informationsfragmentierung aus soziotechnischer Sicht. Der Workshop ist aus der Konvergenz unserer Forschungsinteressen heraus entstanden, denn meine Kollegin ist spezialisiert auf die Analyse ideologisches Gedankenguts, insbesondere der neoliberalen Ideologie. Dazu laden wir interessierte Forschende ein, ihre Ergebnisse und/oder Überlegungen auf englisch, deutsch oder französisch vorzustellen und zu diskutieren.

Common-Good-and-Self-Interest-Sociology-Switzerland-Conference

Hier unser “call for contributions”:

Politische Dimensionen digitaler Plattformen: ein soziotechnischer Ansatz der Informationsfragmentierung

Stichworte: Soziotechnik, STS, Medienepistemologie, Politische Soziologie, Ideengeschichte

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